Grenzenlos

Brücke im Wald

Die neu gewonnen Freiheiten nach dem Eingesperrtsein lassen sich noch nicht ganz unbedarft genießen. Brauchen wir tatsächlich diese auferlegten Grenzen und Vorschriften oder wissen wir selbst, wann und wo es reicht?

Brücken verbinden

Nachdem ich immer wieder nach einer Schutzessenz gefragt  werde, kann ich fix davon ausgehen, dass jeder Mensch seine Grenzen hat und diese auch absichern möchte. Wie weit dieser Radius reicht, hängt vermutlich vom Erfahrungsschatz der jeweiligen Person ab und ist ziemlich dehnbar, von der Hautbarriere bis hin zum Firmament. Fühlt man sich in seiner Haut pudelwohl, wagt man weitere Schritte nach außen, dehnt seine Komfortzone aus, lässt mehr an sich heran, weil man ohnehin damit zurecht kommt. Kam es so zur Globalisierung in den letzten Jahrzehnten? Für einige stellt momentan der Mars eine vage Grenze dar, die auch irgendwann mit technischem Fortschritt zu knacken sein wird. Für andere reichen die eigenen 4 Wände, mit denen man schon zu kämpfen hat.

Schleusenhaus am Zwickl

Wer einen Fluss überquert, muss die eine Seite verlassen.

Mahatma Gahndi

Die ersten geographischen Grenzen werden wohl unüberwindbare Hindernisse gewesen sein. Berge, Flüsse und Schluchten, dichte Wälder und menschenfeindliche Wüsten hielten den Forscherdrang unserer Vorfahren im Zaum.  Ähnlich klingt der sicher sprachlich verwandte Zaun, der gewiss zu allererst durch eine Hecke aus dichtem stacheligem Grünzeug und Holzstämmen bewerkstelligt wurde, um ein Grüppchen Leute zu schützen vor Raubtieren und anderen feindlichen Einflüssen. Noch heute bestehende Grenzen verlaufen entlang natürlicher Barrieren.

Meine Heimatgemeinde ist nahezu umgeben von Großer und Kleiner Krems und ein paar kleineren Bächen, die hier der Grenzziehung dienen. Zumindest sind diese Gewässer nicht unüberwindbar, können barfuß durchwatet werden und bilden doch die Umrandung einer Zone, die für etwas mehr als 1000 Menschen die Heimat darstellt. Gerade feiert die Nutzung der Wasserkraft hier ein Jubiläum, denn seit 100 Jahren liefert das Kraftwerk Hohenstein Strom ins Netz, erzeugt mit der Kraft des Wassers, das hier aufgefangen und per Rohrleitung 4 km weit zum Generator gelangt. Im Foto von der Schleuse erkennt man die Kante der Wehr, eine unüberwindbare Grenze für im Wasser ziehende Fische, für die als Ausweichroute eine Aufstieghilfe geschaffen wurde.

Wasser als verbindendes oder trennendes Element lässt einiges offen, kann auch die Phantasie zur Problemlösung und Wegfindung anregen. Steht man vor einem Stacheldrahtzaun oder einer dichten Dornröschenhecke, kennt man sich gleich aus und weiß sofort, da will jemand absolut nicht gestört werden. Das reicht von Staatsgrenzen, die gleichzeitig  gewaltige Unterschiede in der Weltanschauung darstellen, bis zum Gartenzaun, der für Privatsphäre sorgen soll. So leitet sich auch der Begriff Hexe (oder doch Heckse?) ursprünglich von jener Hecke ab, hinter der sich Heilkundige ein Refugium schufen, etwas abseits vom Alltag ihrer „Community“, am Rand oder außerhalb der Siedlungen, mit Distanz zum gewöhnlichen Treiben der Bevölkerung und doch mit einem gewissen Nahbezug zu deren Sorgen und Nöten, insbesondere medizinischer Natur.

Hühnerzaun und Rosenhecke

Diese Abgrenzung innerhalb einer Gemeinschaft, wenn man sich zwar zugehörig fühlt, jedoch seinen gewissen Freiraum dringend braucht, um sich wohl und sicher zu fühlen, wurde durch die Corona-Krise sehr gut sichtbar. Wer kuschelt gern und wer trägt doch lieber eine sichere Pufferzone um sich in Form eines Sicherheitsabstandes, für mich oft ganz spannend zu beobachten, was ich übrigens schon immer gern gemacht hab, Menschen studieren…

Jetzt besteht nun einmal ein driftiger Grund zur Distanz in Form eines kugeligen Virusknödels, der rundherum kleine Greifer zum Andocken trägt, der förmlich auf Annäherung drängt. Spätestens seit es Mikroskope gibt, lassen sich derartige Krankheitserreger wissenschaftlich nachweisen und sind deshalb belegt und existent. Wie steht es aber mit Distanzhaltern, die wir (nur?!) mit unserer Intuition wahrnehmen? Unser Gefühl schubst uns in Richtung jener Dinge und Wesen, die für uns passend scheinen und es mahnt uns zur Distanz, wenn der Kontakt nicht so stimmig rüberkommt. Ob man es nun Gefühlssache, 6. Sinn oder Botenstoffe in Form von Hormonen oder in-Resonanz-gehen nennt, es bewahrt uns vor Grenzüberschreitungen, die uns nicht gut tun. Mitunter ermutigt es uns auch zum Mutigsein und zu neuen Wegen. Woher weiß ich aber als entscheidungsschwache Waagegeborene nun, welchen Weg ich nehmen soll? Ein gesunder Selbsterhaltungstrieb weist uns ja dann doch wieder den Weg  zurück zu unserer Mitte, fokusiert wie eine Blütendolde,  in deren Zentrum sich unzählige kleinen Blümchen vereinen am Stengel…

Erdholler, Giersch, Geißfuß, Aegopodium podagraria

Erdholler

Abgrenzung, Körperbewusstsein - Verleiht Nervenruhe trotz Stress, Abgrenzung, Selbstbeherrschung, Körperbewusstsein. Für ausufernde, undisziplinierte Menschen, lässt liebevoll die eigenen Grenzen definieren und einhalten. Bei Unruhe, Hektik, Anspannung, gibt Freude an Bewegung

Aus verschiedenen Gründen wuchert diese Pflanze momentan in vielen Gärten per meterlangen Rhizomen (unterirdische Ausläufer) quer durch die Beete. Sei es, weil die Rhizome in den vergangenen trockenen Jahren unbemerkt unterirdisch ausuferten auf der Suche nach Wasser und nun durch reichlich Versorgung mit Feuchtigkeit immense Blattmassen sprießen. Oder weil das Zeitmanagement der Gartenbetreuung in personifizierter Union von Kinderbetreuung, Verdienst des Lebensunterhalts und gewissenhafte Erfüllung der gesellschaftlich-moralischen Verpflichtungen in hart erkämpften Ruhepausen nicht auch noch Kapazität für dieses unerwünschte Problem erübrigen kann. Hehre Ratschläge und Rezepte für kulinarische Verwertung kann man als Giersch-Geplagte nimmer hören. Und doch kann diese Pflanze uns einiges lehren:

Das geschäftige Treiben, ausufernder Lebensstil, immer up to date sein müssen, seine Grenzen überstrapazieren – da zeigen sich schon ein paar Parallelen zu dem Wesen vom Erdholler. Unser gestresster Alltag führt immer öfter zu gesundheitlichen Problemen verursacht durch falsche Ernährung (weils ja schnell gehen muss). Mineralstoffmangel, entzündliche Prozesse wie Rheuma, Müdigkeit sind die Folge und genau hier verschafft das Frühlingskraut Abhilfe. Die jungen Blätter können in der Küche vielseitig eingesetzt werden, überall dort, wo man auch Petersilie verwenden würde.

Im vorigen Bild versteckt sich der Giersch zwischen der bunten Vielfalt an einem natürlichen Standort. Auch das wäre vermutlich ein Lösungsansatz, dem Wucherer den Raum zu nehmen durch eine Vielzahl  schöner Pflanzen anstatt der wenigen, uns wegen dem Ertrag wichtigen Kulturpflanzen (in meinem Fall besonders die Ribisel), der Vielfalt mehr Raum geben.

Für unseren Alltag könnte das heißen „Nimm dir Zeit für dich selbst, für die (nach Deinem Ermessen!) schönen Dinge im Leben, bleib bei dir, achte auf deine Grenzen!“

Eins noch zu eingangs erwähnter Schutz-Essenz: es gibt sie! Du findest sie unter den Fertigen Essenzmischungen, sie nennt sich Schutzengel und trägt unter anderem die Energie des Erdhollers in sich.

Da tut sich aber wieder meine Waage-Thematik auf – wie wäge ich ab, was gut und schön für mich ist, denn alles hat 2 Seiten, die optimalerweise, aber doch selten in Balance vorzufinden sind. Auch dafür ist ein Kraut gewachsen, mehr dazu demnächst!

Edith Weiss

Edith Weiss

Grüner gehts nicht!

2 Gedanken zu „Grenzenlos“

  1. Dein Beitrag ist wieder unglaublich interessant, ein Lesevergnügen mit (mir) unbekannten und erstaunlichen Zusammenhängen und Informationen!!
    Alles Liebe!

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    • Herzlichen Dank, liebe Renate! Ja, mit den Pflanzen ist es wie mit uns Menschen. Wenn man sie näher kennenlernt, merkt man, was sie alles drauf haben und welche Persönlichkeiten sich da hinter hübschen Blüten und Blättern verbergen.

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